Papierflechten mit Kindern – geht das?

Körbe aus Zeitungspapier flechten mit Kindern - ist das möglich?

Immer wieder erlebe ich großes Interesse an meinem Buch über Korbflechten mit Altpapier bei Eltern oder pädagogischen Fachkräften (besonders aus dem Grundschulbereich), die gern diese spannende, nachhaltige und kostengünstige Kreativtechnik mit Kindern ausprobieren möchten. Dabei bin ich – gerade was jüngere Kinder betrifft – immer ein bisschen vorsichtig, weil ich weiß, dass gerade das Herstellen der Papierröllchen schon manchem Erwachsenen nicht sofort leicht von der Hand geht. Deshalb möchte ich heute diesem Thema einen Blog-Artikel widmen und erzählen, wie meine Erfahrungen mit Kindern beim Korbflechten mit Zeitungspapier sind. Außerdem zeige ich ein Korbprojekt, das ich mit meiner 8-jährigen Tochter umgesetzt habe.

Was ich sicher sagen kann, ist, dass Jugendliche ab 13 Jahren in der Regel sowohl das Durchhaltevermögen haben, um sämtliche Röllchen zunächst für ein kleines Projekt wie das Stiftekörchen vorzubereiten, als auch die motorischen Fähigkeiten, um das Flechten mit zwei Strängen zu erlernen. Es hat mich richtig angerührt, wie begeistert Teenager von dieser Technik waren: “Aus so einem wertlosen Material noch etwas so Schönes zu machen! Und wie fest und stabil die Körbchen sich anfühlen – und dabei sind sie doch bloß aus Papier! Damit mache ich weiter!” – Ich wünschte mir wirklich, dass viele Menschen, die mit Jugendlichen arbeiten, auf das Korbflechten mit Zeitungspapier aufmerksam werden!

Bei Grundschülern sind oft die feinmotorischen Fähigkeiten und das Durchhaltevermögen noch nicht so ausgereift. Sie werden vor allem beim Herstellen der Röllchen noch wesentlich mehr Unterstützung benötigen.

Hier ein paar Dinge, die beim Aufrollen der Zeitungspapierstangen schief gehen können:

  • zunächst kann es sich schwierig gestalten, die erste Ecke dazu zu bewegen, sich aufrollen zu lassen
  • wenn der Schaschlikspieß-Griff nicht über die Tischkante ragt (was im Eifer des Gefechts leicht passiert), geht das Aufrollen nicht mehr weiter, weil der Griff sich nicht mehr frei drehen kann, s. Bild unten links (vielleicht würden Kinder tatsächlich besser mit einem Spieß ohne Griff arbeiten können, aber dann kann es passieren, dass sie den Spieß ganz einrollen…)
  • beim Rollen kann sich der Winkel vom Aufrollstab zum Papierstreifen ungünstig ändern (s. Bild unten rechts), der Spieß soll den Streifen eigentlich diagonal aufrollen – so eine Papierrolle, wie sie auf dem Bild unten rechts entsteht, ist leider nicht zu gebrauchen. Mit kürzeren Papierstreifen würde es besser klappen – allerdings braucht man dann wiederum sehr viele Röllchen…

Die Röllchen wirklich stramm auf den Stab zu drehen ist also eine Aufgabe, die sicher selbst für manchen Viertklässler noch eine ziemliche Herausforderung darstellt (und nur mit gut geratenen Papierstangen macht das Flechten Spaß und das Ergebnis wird schön). Ich möchte Eltern und Lehrkräften deshalb dringend empfehlen, bei jüngeren Kindern viele Röllchen vorzubereiten und nicht darauf zu setzen, dass sie das gesamte Material selbst herstellen können. (Ich wäre sehr dankbar für Erfahrungsberichte zu diesem Thema!) Wichtig erscheint es mir auch, dass die Röllchen immer liegend gelagert werden, so dass die Enden nicht verknicken – dann werden die Kinder wesentlich leichter mit dem Zusammenfügen der Papierstangen zurecht kommen.

Die technisch begabte Fraktion meiner Familie hat schon hin und her überlegt, wie man die Herstellung der Rollen automatisieren könnte – bisher aber leider ohne Erfolg… 🙁 Wenn ich viele Röllchen herstellen muss, ist meine Methode der Wahl immer noch: ich setze mich abends im Wohnzimmer an den Tisch, schaue mir eine schöne Sendung an und drehe nebenher Papierstangen. In zwei Stunden schaffe ich ungefähr 150 Stück. Wenn man das ein paar Abende lang macht, kommt man schon auf eine Menge Röllchen.

Selbstverständlich sollte jeder, der einer Klasse oder Kindergruppe das Flechten mit Zeitungspapierrollen zeigen möchte, alle Vorgänge ersteinmal selbst gründlich erprobt haben und eine gewisse Sicherheit darin besitzen. In meinem Buch sind viele Hinweise und Tipps dazu zu finden. Wenn man das alles selbst ausprobiert hat, kann man auch viel besser einschätzen, wo Schwierigkeiten auftauchen können und was für die Kinder machbar ist.

Was sich mit Kindern sehr gut umsetzen lässt, sind die Windlichter aus Papierstangen, die ich in einem meiner ersten Blogbeiträge gezeigt habe. Mit dieser Methode, die eigentlich keine richtige Flecht- sondern eher eine Faltmethode ist, konnte auch meine Tochter, die damals im zweiten Schuljahr war, schon gut arbeiten.

Mit ihr habe ich jetzt noch ein weiteres Flechtprojekt ausprobiert, das Grundschüler nicht überfordert. Sie hat das Flechten gut hinbekommen. Dadurch, dass ich eine Käseschachtel als Boden verwendet habe, stehen die Staken gleich senkrecht nach oben – der Anfang fällt so leichter:

Kleines Körbchen:

Du brauchst:

  • Eine Käseschachtel oder das Unterteil eines Laternenbausatzes aus Pappe (-ich habe einen Laternenbausatz verwendet, er hat einen Durchmesser von 15cm)
  • einige Papierröllchen von ca 25cm Länge (aus einem 25cm langen Streifen gedreht) als Staken (-bei mir waren es 17 Staken)
  • einen Tacker
  • lange Papierröllchen als Flechtstränge (-bei uns waren es 22 Papierröllchen)

Und so geht es:

Dies solltest du für die Kinder vorbereiten: Tackere die Staken mit der breiteren Seite rundherum innen in den Rand der Käseschachtel. Zwischen den Staken sollte ungefähr 2,5-3cm Platz sein – genaues Ausmessen ist unnötig, Augenmaß reicht.

Hier habe ich ein Schaubild hinterlegt (Download kostenlos), das du den Kindern zeigen kannst, um ihnen die Begrifflichkeiten zu erklären: Was sind die Staken? Was sind die Flechtstränge? Wie sieht es mit den beiden verschiedenen Seiten der Stangen aus?

Und nun sind die Kinder dran. So könnten die Arbeitsanweisungen lauten: “Nimm dir zwei Flechtstränge und stecke die Enden links und rechts von einer Stake in die Schachtel. (Im Folgenden habe ich extra große Arbeitsschrittfotos eingefügt, vielleicht ist das hilfreich.)

Nun fasst du mit der rechten Hand die Flechtstränge und drückst sie an der Stake fest und ein wenig nach unten. Die langen Enden der Flechtstränge zeigen nach links.

für Rechtshänder: Du überkreuzst jetzt die Flechtstränge im Stakenzwischenraum mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand miteinander (das ist eine kleine Handbewegung wie beim Zudrehen einer Flasche, mache die Bewegung jedesmal genau gleich). Mit der linken Hand nimmst du die nächste Stake und plazierst sie zwischen den überkreuzten Flechtsträngen. Deine rechte Hand wandert jetzt eine Stake weiter nach links und du drückst wieder die Flechtstränge fest nach unten an die Stake. Und dann wiederholst du den ganzen Vorgang.

für Linkshänder: Überkreuze mit der linken Hand die Flechtstränge im Stakenzwischenraum. Das musst du immer gleich machen: Nimm zuerst den hinteren Flechtstrang nach vorne, dann den vorderen nach hinten. Lege die nächste Stake zwischen die überkreuzten Flechtstränge. Deine rechte Hand wandert jetzt eine Stake weiter nach links und du drückst wieder die Flechtstränge fest nach unten an die Stake. …usw.”

Die Kinder sollen darauf achten, dass die Staken beim Flechten nicht nach innen kippen, sondern gerade nach oben zeigen oder besser noch leicht nach außen – es kann sonst schnell passieren, dass sich der Korb nach oben hin verengt, was wir ja nicht wollen.

Wenn ein Papierröllchen zuende geht, fügen die Kinder das nächste ein: immer das spitze Ende der einen Stange in das trichterförmige Ende der anderen stecken oder leicht hineindrehen. Das muss sehr behutsam geschehen sonst funktioniert es nicht. Manchmal hilft es, das spitze Ende einmal längs zu falten (dann ist es noch spitzer) oder ein wenig spitz zuzuschneiden oder das trichterförmige Ende mit einem spitzen Gegenstand frei von im Weg stehenden Papier zu machen (s. Bild unten rechts). Die Reihen sollen von den Kindern immer mal wieder kräftig nach unten zusammengeschoben werden.

Wenn das Körbchen die gewünschte Höhe erreicht hat, wird der Rand gefertigt: Im ersten Schritt werden alle Staken nacheinander gegen den Uhrzeigersinn um die nächste Stake herum nach außen gelegt (bei der letzten Stake muss man dafür unter der ersten hindurch).

Im zweiten Schritt werden die nach außen zeigenden Staken im Uhrzeigersinn unter der Schlaufe durchgesteckt, die die umgebogenen Stake gebildet hat.

Es macht nichts, wenn bei diesen beiden Schritten alles noch ein bisschen locker und unordentlich aussieht. Im dritten Schritt wird jetzt alles nochmal festgezogen. Die langen nach innen stehenden Enden werden abgeschnitten – aber keinesfalls zu kurz! Man braucht dazu eine ziemlich stabile Schere und etwas Kraft. Ich selbst habe mich dabei schon übel geschnitten – du musst also überlegen, ob du das die Kinder machen lassen möchtest.

Und dann: alle Kinderhände in die Waschanlage, um die Druckerschwärze abzuwaschen!

Wenn dich der getackerte Rand unten stört, kannst du die Kinder noch einen Papierstreifen fertigen lassen, der um die Käseschachtel herum festgeklebt wird. Oder der Rand wird mit weißer Acrylfarbe überstrichen. Alternativ kann das Körbchen auch mit den Farben aus dem Schulfarbkasten bunt bemalt werden (s.u.)

Hast du selbst schon einmal mit deinen Kindern, deiner Klasse oder einer Kinder-/Jugendgruppe Papierkörbchen geflochten? Oder hast du die Vorschläge aus diesem Blogbeitrag ausprobiert? Hast du vielleicht noch hilfreiche Ideen dazu? Vielleicht hast du einen Tipp, wie das Aufrollen der Papierstreifen auch Kindern gut gelingt? Lass uns doch hier gemeinsam Ideen und Erfahrungen sammeln – schreib sie gerne unten in den Kommentar! Oder, wenn es dir lieber ist, schreib mir direkt unter . Ich werde versuchen, alle wichtigen neuen Erkenntnisse noch nachzutragen.

Und schon der erste Nachtrag (6.9.2021): Habe gestern mit einer Frau gesprochen, die seit über 15 Jahren Aktionsprogramme für Schulklassen, Kindergärten, Kindergruppen und Geburtstagsfeiern anbietet. Sie hat mal mit einer vierten Klasse das Korbflechten mit Altpapier ausprobiert und meinte: “Das Röllchenmachen hat überhaupt nicht geklappt! Das ist für das Alter wirklich noch viel zu schwierig.” Das hat mich sehr bestätigt in meiner Einschätzung…

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