Kartoffeldruck und Stickerei

Eine schlichte Leinenschürze wird mir Kartoffeldruck und Stickerei verschönert

“Mach´s einfach! Könnte ja gut werden.” Mir geht es so, dass dieser Spruch mir manchmal hilft, Blockaden im Kopf zu überwinden und einfach mit kindlicher Neugier etwas auszuprobieren.

Irgendwann kam mir die Idee, den Spruch küchentauglich abzuwandeln und auf eine Schürze zu sticken. Ich machte verschiedene Entwürfe, die mir alle nicht 100%ig gefielen – aber auf unserer Brottrommel im englischen Stil fand ich schließlich die passende Inspiration:

Ach, und dann sollte es schnell gehen. Eine Schürze nähen? Nö, es gibt ja so günstig welche zu kaufen. Also recherchierte ich im Internet und fand sehr bald eine schöne: beiger Stoff, weiße Sterne drauf und soo preiswert! Der überaus aussagekräftige Text dazu: “….eine wunderbare Haushalt Partner für Wahl. Schöne Schürze macht ein großes Geschenk für Weihnachten, Feiertage, Muttertag, Dinner Parties, Geburtstage und mehr” Hä?? Ich kam ins Nachdenken. Wo kommt die Schürze her? So ein Preis – wer näht sowas für so wenig Geld? Richtig geraten: Die Schürze sollte aus Ost-Asien kommen. Das heißt: im Preis inbegriffen war auch noch eine Reise um den halben Erdball. Irgendwie machte sich ein unangenehmes, mulmiges Gefühl in mir breit: Ich sah Menschen unter unwürdigen Bedingungen Baumwolle pflücken und Schürzen nähen. Ich sah riesige Containerschiffe übers Meer schippern. Und ich sah mich selbst ein Paket auspacken und eine billige Schürze herausholen – und das, obwohl ich den Schrank voll Stoff habe und eine Nähmaschine besitze. Ich war nur zu faul zum Nähen.

Ja, und das Ergebnis dieser Überlegungen war dann die Leinenschürze aus meinem vor-vorigen Blog-Beitrag :-). Regionaler hergestellt geht ja wohl nicht. Es ging schneller als ich dachte und hat riesig Spaß gemacht!

Aber die weißen Sternchen auf der Schürze, die ich gesehen hatte, gingen mir nicht aus dem Kopf. Ich finde ein Sternchenmuster so schön dezent und gleichzeitig frischt es einen einfarbigen Stoff etwas auf. Wer sollte mich davon abhalten, mir mein Sternchenmuster einfach selber zu machen? Kartoffeln habe ich da, weiße Acrylfarbe auch. Also los, mach´s einfach! Könnte ja gut werden!

Kartoffeldruck

Dafür habe ich gebraucht:

  • eine Kartoffel
  • ein Küchenmesser
  • etwas weiße Acrylfarbe in einem Schälchen
  • Pinsel
  • ein Probestückchen vom Stoff
  • das zu bedruckenden Stoffstück

Die Kartoffel wird halb durchgeschnitten. In die Schneidfläche der einen Hälfte wird mit dem Küchenmesser ein Sternchen in der gewünschten Größe eingeritzt. Dann wird bis auf das Sternchen der Rest der Kartoffelfläche mit dem Messer um einige Millimeter abgetragen, so dass nur noch das Sternchen erhaben ist. Die Acrylfarbe kann im Schälchen etwas verstrichen und dann mit dem Kartoffelstempel aufgenommen werden. Oder du streichst die Farbe direkt mit dem Pinsel auf das Sternchen. Übe das Drucken ein paar Mal auf dem Stoffstückchen und schaue, ob alles zu deiner Zufriedenheit aussieht.

Wenn es klappt, geht es auf der Schürze weiter. Ich habe die Abstände der Sternchen nicht ausgemessen sondern mit Augenmaß gleichmäßig auf den Stoff gestempelt. Wer es gerne ganz genau haben möchte kann sich natürlich auch die Stellen ausmessen und mit einem Stoffmarker kennzeichnen. Ungefähr nach der Hälfte der Schürze habe ich aus der anderen Kartoffelhälfte einen neuen Stempel geschnitzt, weil der alte nicht mehr so gut funktionierte.

Mir gefällt das Ergebnis richtig gut! Spannend finde ich, dass die Sterne je nach Lichteinfall manchmal ganz deutlich zu sehen sind und manchmal fast gar nicht! Das mag ich, denn dezent sollte das Muster bleiben – der Stoff ist einfach so etwas Besonderes, dass ihm nicht die Show gestohlen werden soll.

Ich habe es übrigens ausprobiert und ein Probestückchen bedruckten Stoff bei 60°C in der Maschine gewaschen. Die Sterne halten das gut aus! Das war mir allerdings fast auch klar, weil ich oft schon verzweifelt versucht habe, Acrylfarbe aus Kinderklamotten herauszubekommen…

Und nun geht es ans Sticken.

Stickerei

Du brauchst

  • die ausgedruckte Vorlage (die findest du hier zum kostenlosen Download)
  • Transferpapier, um den Schriftzug auf den Stoff zu übertragen (gibt´s im Handarbeits-Laden)
  • einen Schneiderstift in einer Kontrastfarbe zum Stoff
  • ein Stück dicke Pappe (etwas größer als die Stickerei)
  • Stecknadeln
  • Stickgarn in passender Farbe (ich habe ein dunkles Anthrazit genommen)
  • Nadel (möglichst dünn, aber das Öhr muss so groß sein, dass drei Fäden des Stickgarns eingefädelt werden können)
  • Schere

Das Transferpapier gibt es meistens in zwei Farben – weiß oder blau. Wähle die Farbe, die den größten Kontrast zum Stoff bildet – in meinem Fall war das natürlich blau. Es wird mit der beschichteten Seite nach unten auf den Stoff gelegt, der Schriftzug wird nachgezeichnet und dabei drückt sich die Farbe auf den Stoff. Ich habe ein passendes Stückchen Transferpapier abgeschnitten, es mit Büroklammern an meiner Vorlage befestigt und dann genau mittig auf den Latz der Schürze plaziert. Um genau die Mitte zu treffen, ist es ratsam, die Schürze längs gefaltet einmal zu bügeln – dann hat man eine deutlich erkennbare Mittellinie. Mein erster Versuch, den recht filigranen Schriftzug zu übertragen, ging schief, weil der Stoff unter dem Papier verrutscht war. Abhilfe schafft ein Stück Pappe, das du mit Stecknadeln unter dem Schürzenstoff stramm befestigst und auf dem sich dann wiederum das Transferpapier mit der Vorlage feststecken lässt:

Mit einem Stift (Kugelschreiber, Buntstift etc.) werden nun die Konturen der Buchstaben sorgfältig und nachgezogen. Dabei muss man ziemlich fest aufdrücken. Nimmst du das Papier ab, erscheint der blaue Schriftzug auf dem Stoff. Wenn nachher irgendetwas nicht so deutlich zu erkennen ist, kannst du die Stelle mit einem Schneiderstift in blau nochmal nachbessern. Pappe und Stecknadeln entfernen.

Nun kann gestickt werden! Das Garn wird geteilt, so dass ein 3-fädiger Strang entsteht. Ich habe für dieses Lettering eigentlich nur einen einzige Stickstich verwendet, nämlich den Rückstich. Dabei wird immer eine Stichlänge zu weit ausgestochen und dann wieder zurück dort eingestochen, wo das Garn herauskam (damit man es besser sieht, habe ich hier die Fotos mit hellem Garn gemacht):

Die Stickerei ist am schönsten, wenn man sehr kleine, gleichmäßige Stiche macht. Die schmalen Buchstaben und Verzierungen lassen sich auf diese Art sehr einfach nachsticken.

Bei den großen Blockbuchstaben habe ich zunächst die Konturen nachgearbeitet und das Ganze dann mit versetzten Rückstichen ausgefüllt. Dabei ist es ganz wichtig, dass die Füllstiche immer in die gleiche Richtung zeigen.

Punkte habe ich einfach mit einem winzigen Kreuzstich gearbeitet.

Ist nach Fertigstellung der Stickerei noch blaue Farbe vom Transferpapier zu sehen, kannst du die Schürze einfach waschen – die Farbe geht dabei heraus. Die Fadenenden solltest du auf der Rückseite immer sorgfältig vernähen.

Und so sieht das fertige Stück aus:

Ich hoffe, mein Beitrag hat dir gefallen. Schreib mir gern einen Kommentar!

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