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Herzliches aus Pappmaché

Seit Januar habe ich hier nichts Neues mehr geschrieben – eine ganz schön lange Zeit. Du wirst aber gleich verstehen, warum ich mir diese Pause genehmigt habe. Diese Woche ist nämlich das Manuskript für mein neues, zweites Buch beim Christophorus Verlag fertig geworden und ich hatte deshalb in den letzten Monaten so viel kreative Arbeit, dass ich kaum wusste, wo mir der Kopf stand.

Das Thema meines neuen Buches ist – genau wie bei meinem ersten– wieder Papier. Papier ist definitiv mein liebster Werkstoff und ich staune immer neu darüber, was damit alles machbar ist! Es geht auch wieder um Upcycling von Altpapier – aber dieses Mal werden keine Röllchen gedreht und Körbe geflochten sondern die Zeitungen werden zu Modelliermasse verarbeitet! Das Buch heißt “Die Pappmaché-Werkstatt” und erscheint im September. So lange wird es noch dauern, bis das Layouting, die Lithografie, das Lektorat usw. erledigt sind und das Buch schließlich gedruckt im Buchladen liegt.

Aber in diesem Blogartikel will ich dir schonmal einen ersten kleinen Vorgeschmack darauf geben, was man mit Pappmaché so machen kann.

Bald ist ja auch Muttertag. Und was schenken kleine Kinder ihren Mamas am liebsten? Genau, Papierherzen. Und hier kommen jetzt “Papierherzen deluxe” für erwachsene Kinder.

Du brauchst:

  • 50g Zeitungspapier, geschnipselt
  • Wasser
  • zwei gehäufte Eßlöffel Mehl
  • 1 TL Tapetenkleister (es geht aber auch ohne)
  • altes Tuch (Mullwindel o.ä.) + Pürierstab + Waage
  • eine Wachsdecke oder ein Plastiktischset oder einen Plastikschnellhefter o.ä.
  • große Stempel oder Teigrolle mit eingefrästem Muster oder Textilspitze, groben Webstoff oder groben Strickstoff
  • Feile, Schleifpapier oder Schleifschwamm
  • weiße, deckende Farbe und Flachpinsel
  • Lochzange
  • evtl. Nietzange und Metallnieten
  • Band zum Aufhängen

Und so geht es:

Gib die Papierschnipsel in ein nicht zu kleines Gefäß und gieße kochendes Wasser darüber. Wenn das Wasser abgekühlt ist (zum Beispiel über Nacht), püriere Papier und Wasser sehr gründlich durch. Gib dafür evtl. noch mehr Wasser zu, damit sich alles wirklich leicht pürieren lässt.

Lege das Tuch in ein Waschbecken und schütte den Papierbrei hinein. Nimm die Zipfel des Tuchs hoch und drücke nun mit den Händen kräftig das Wasser heraus. Nimm die so entstandenen Papierklumpen aus dem Tuch und lege sie auf die Waage. Das Papier sollte jetzt 200-220g wiegen – ist es leichter, gib wieder etwas Wasser hinzu; ist es schwerer, musst du noch weiter Wasser herausdrücken. Bröckele nun die Papierfaserklumpen in eine Schüssel und zerkleinere alles noch ein wenig weiter. Gib Mehl und evtl. Tapetenkleister darüber und knete gründlich. Lass den Teig zwischendurch immer mal ruhen. Nach 20-30 Minuten ist die Masse einsatzbereit.

Tipp zum Reinigen der Utensilien: Pürierstab und Topf können einen grauen Schleier von der Druckerschwärze aufweisen. Druckerschwärze ist fettlöslich und kann mit Öl abgewischt werden. Danach alles mit Spülmittel sehr gründlich reinigen.

Auf einer Wachsdecke oder einem Plastiktischset oder einem Plastikschnellhefter forme nun flache Herzen (oder andere Formen) – ca. 0,5 cm dick. Bei Pappmaché ist es immer ratsam, erst einmal die grobe Form zu erstellen und dann alles mit den Fingern oder mithilfe eines Messers glattzustreichen und auszumodellieren. Wenn du Schwierigkeiten hast, die Herzen frei zu formen, kannst du dir auch Herzen ausdrucken und diese als Vorlage benutzen (einfach auf dem Papier modellieren). Wenn sie fertig geformt sind, löst du sie vorsichtig von der Vorlage ab und legst sie auf die Plastikunterlage.

Jetzt wollen wir noch Reliefs in den Teig drücken. Das geht sehr einfach mit Stempeln oder aber mit Teigrollen, die eingefräste Muster haben (diese sind im Internet leichter erhältlich als große Stempel). Oder du drückst Textilspitze in den Teig – lege die Spitze auf wie gewünscht und drücke alles mithilfe eines dicken Buches gleichmäßig herunter. Falls etwas schiefgeht: einfach nochmal nachmodellieren, glätten und noch einmal stempeln. Auch grober Stoff eignet sich, um eine Strukturierung der Oberflähe zu erreichen.

Nun brauchst du etwas Geduld bis deine Herzen trocken sind. Du kannst sie während des Trockenprozesses an den Kanten immer wieder etwas nachmodellieren und glattstreichen, aber Vorsicht! nichts an der Bestempelung der Oberseite verändern oder glattstreichen! Wenn sie ein wenig getrocknet sind, löse sie vorsichtig von der Unterlage (am besten, indem du die Unterlage biegst und abziehst – nicht das Herz!). Wende die Herzen von da an immer wieder und achte darauf, dass sie glatt bleiben und sich nicht wellen. Wenn alle dunklen Stellen getrocknet sind und der Papierteig auf Druck auch nicht mehr nachgibt, kann es weitergehen.

Mit der Feile kannst du nun die Kanten schön abschleifen und evtl. mit Schleifpapier nachbearbeiten. Gib dann etwas weiße Farbe auf eine Zeitung und streiche sie mit dem Pinsel so aus, dass der Pinsel an den Spitze nur etwas weiße Farbe aufnimmt – keinesfalls dicke Farbklumpen! Streiche nun oberflächlich auf den Herzen hin und her und hole so das eingedrückte Muster hervor.

Jetzt kommt die Lochzange zum Einsatz und stanzt ein Loch zum Durchfädeln des Bandes in die Pappmaché-Plätzchen. Sollte es dir passieren, dass dabei ein Herz zerbricht, ist das echt nicht schlimm: du kannst es mit Holzleim ganz einfach wieder zusammenkleben- das hält wunderbar und fällt kaum auf. Die Nieten würde ich je nach Dicke deiner Herzen evtl. nur einleimen und nicht festnieten – durch den Druck der Nietzange kann das Herz Risse bekommen oder brechen. Und wir wollen ja nun keine gebrochene Herzen ;-)!

Eine Band durchziehen – und fertig!

Es mag sein, dass dir das Herstellen der “Papierknete” zunächst aufwändig erscheint – aber ist es nicht faszinirend, eine Modelliermasse herstellen zu können aus dem, was du sowieso im Haus hast? Vollends glücklich bin ich immer, wenn alles getrocknet ist – Pappmaché ist dann so leicht, gleichzeitig erstaunlich stabil und irgendwie warm. Ich finde, das kann so keine andere Modelliermasse. Ich freue mich schon, dir bald mein Buch vorzustellen. Es gibt nämlich so viele schöne und erstaunliche Dinge, die man mit Pappmaché machen kann…

Nun erstmal bis zum nächsten Mal! Liebe Grüße!

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